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aaRdT (= allgemein angewandte Regeln der Technik)

Was sein muss, muss sein!

 

(Un)Sinn der Regeln, Normen und Richtlinien

 

    • Regeln, Normen und Richtlinien

Zunächst ist festzustellen, das Regeln bzw. Normen den Stand der Technik wiederspiegeln (d.h. das was technisch möglich ist), und dass sie zur Vertragsgrundlage erklärt werden können. Also müssen sie nicht Vertragsgrundlage sein. Wenn, dann muss das vereinbart werden, denn die DIN haben keinen Gesetzescharakter.

Richtlinien (siehe nachfolgend) hingegen sind selbst definierte Vorgaben z.B. eines Vereines, Verbandes, Gewerbebetriebes u.s.w. deren Einhaltung nur Folge geleistet werden muss, wenn man mit dieser Institution zusammenarbeiten will.

In der Sicherheitsbranche am meisten bekannt sind die VDE- und die VdS-Richtlinien Die meisten VDE-Richtlinien sind in DIN erfasst und haben in Form von aaRdt (siehe unten) Bestand. Die VdS-Richtlinien hingegen sind keine aaRdT und somit nur zu erfüllen, wenn eine VdS-Anerkennung angestrebt wird.

Verstößt man dann also gegen die RdT (= Regeln der Technik), wenn man die DIN nicht beachtet? Nein, denn die DIN müssen noch lange nicht zu den aaRdT (= allgemein anerkannte Regeln der Technik) gehören. Das kann, muss aber nicht sein. Das heißt, man kann durchaus richtig handeln (bauen, ausstatten, einrichten u.s.w.), auch wenn man auf die DIN verzichtet.

 

Es gilt:

  • Regeln der Technik (RdT)

das, was sich über lange Zeiträume bewährt hat, was deshalb auch nicht mehr geändert werden muss. Dazu gehören z.B.: die Regeln der traditionellen Baukunst, auch einige DIN (aber eben nicht alle!)

  • Stand der Technik (SdT)

das technisch Machbare, modern aber noch nicht bewährt (wie auch, wenn keine Langzeiterfahrung vorliegen kann), was deshalb auch schon mal revidiert wird.
Dazu gehören z.B.: die DIN, andere Normen, Verarbeitungs- und Anwendungsvorschriften der Hersteller, auch Zulassungen und Prüfzeugnisse (die aber auch mal zurückgezogen werden, wenn es sich herausstellt, dass die Sache nichts bringt - siehe z.B. Automobilbranche sowie Haushaltsgeräte = Rückrufaktionen).

  • allgemein anerkannte Regeln der Technik (aaRdT)

 Der Standard der Ausführung, den der Auftragnehmer schuldet, ist ein häufiger Streitpunkt, wenn es im Prozess um Gewährleistungsfragen geht. Was gestern noch den Regeln der Kunst entsprach, kann sich heute schon als mangelhafte Ausführung darstellen.

Streit über den Standard, der von dem Auftragnehmer einzuhalten ist, lässt sich dadurch vermeiden, dass im Projektvertrag genaue Festlegungen zu den Werkstoffen und der eingesetzten Technik aufgenommen werden. Selbst in einem noch so ausgefeilten Projektvertrag wird es sich jedoch letztlich nicht vermeiden lassen, dass Einzelfragen bezüglich der Ausführungen offen bleiben. Haben die Parteien hinsichtlich einzelner Merkmale des Projektvorhabens nichts Präzises vereinbart, so bestimmt die Rechtsprechung den vom Auftragnehmer einzuhaltenden Standard anhand der "allgemein anerkannten Regeln der Technik".

Welchen Inhalt die "anerkannten Regeln der Technik" haben, ist eine Frage, die nur von Fall zu Fall entscheidbar ist. Entgegen einem weit verbreiteten Missverständnis lassen sich diese Regeln - wie eine neue Entscheidung des Bundesgerichtshofs zeigt - nicht isoliert anhand von technischen Normen entscheiden.

Für die aaRdT gilt folgende Definiton:

Im technischen Bereich ist aaRdT ein gebrauchter Begriff, welcher als Maßstab für die Anwendung eines Verfahrens die Anerkennung durch die Mehrheit der auf einem speziellen Gebiet tätigen Fachleute voraussetzt.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, technische Regeln in Form von DIN aufzustellen. Dadurch lässt sich vieles systematisieren und vereinheitlichen, man spricht sozusagen eine einheitliche Sprache. Die DIN sind keine Erfindung der 90er. Ihre Vorgänger gab es im Deutschen Reich (Stichwort: RAL), parallel gab es sie in der DDR als TGL (Technische Gütenormen und Lieferbedingungen).

[Quelle: DIMaGB]